Kakao muss zunehmend politisch korrekt sein

Erstellt von admin abgelegt unter Gesellschaft

Nestlés Riegel „Kit Kat“ ist in Großbritannien ab sofort mit dem Logo „Fair Trade“ für fair gehandelten Kakao etikettiert. Das Beispiel könnte auch in Deutschland bald Schule machen. Hinter dem Kurswechsel steht jedoch weit mehr als Gutmenschentun.

Sogar der Erzbischof von York war anwesend. Stolz hielt er den ersten Fair Trade-Schokoriegel von Kit Kat, der in Nordengland produziert wurde, in der Hand und lobte das Engagement des Lebensmittelkonzerns Nestlé. Dies sei ein guter Anfang, so der Kirchenmann. Schokolade solle nicht mehr den „bitteren Nachgeschmack der Sklaverei“ besitzen. Ab Januar wird es den „Fair Trade“-Kit Kat-Riegel überall im Königreich zu kaufen geben. Der Verkauf der bisherigen Variante wird eingestellt werden. Nach einem Umsatzplus von kakaohaltigen Süßwaren von fünf Prozent im Jahre 2008 geloben nun die Konzerne, auf den Zug des fair gehandelten Kakao aufzuspringen, nachdem bereits Bananen und Kaffee hier Vorreiterrollen inne hatten. Bis 2020 will auch Wettbewerber Mars alle Riegel mit einem zertifizierten Logo ausgestattet haben. Snickers, der Deutschen liebster Schokoriegel, wäre damit politisch korrekt. Um dies zu erreichen, müssen die Hersteller ihren Lieferanten Mindestpreise garantieren. Die Bauern, die die Rohstoffe liefern, müssen sich ihrerseits dazu verpflichten, soziale wie ökologische Standards einzuführen. Kinderarbeit ist hier etwa grundsätzlich nicht gestattet. Allein mit Nächstenliebe und Umweltbewusstsein hat das Engagement von Nestlé und Co nichts zu tun. Der Konsum von Schokoladen-Süßwaren hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, während die Hersteller Qualitätsproblemen und Ernterückgängen zu verzeichnen haben. Die Probleme sind hausgemacht: Rund 80 Prozent des Kakaohandels werden von nur fünf Unternehmen kontrolliert. Vor allem in den 90er Jahren drückten diese derart auf die Preise, dass es den Lieferanten kaum noch möglich war, Geld in neue Pflanzen, bessere Maschinen oder in Pflanzenschutz zu investieren. Regenfälle, Pilzbefall und Schädlinge haben im letzten Jahr die schwächste Ernte  seit 14 Jahren verursacht. Hinter dem Engagement Nestlés, in den nächsten zehn Jahren 70 Millionen Euro in Schulungen von Bauern, robustere Pflanzen und Nachhaltigkeit beim Anbau zu investieren, steckt somit durchaus Selbstzweck. Von den Konzernen ist in naher Zukunft demnach zu erwarten, sich künftig mit einer Art „Nachhaltigkeitsrennen“ übertrumpfen zu wollen.

Kommentare abgeschaltet

?>